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Muskeltonus: Alles Wichtige über den Spannungszustand unserer Muskulatur

Immer wieder ist von Muskeltonus die Rede: Eltern fragen sich, ob die Muskelspannung ihrer Kinder „normal“ ist. Wer am PC arbeitet, klagt über Verspannungen im Schulter-Nackenbereich. Andere Menschen sind öfters so nervös, dass ihre Muskulatur ab und zu unwillkürlich zuckt. Wieder andere haben manchmal einen derart geringen Muskeltonus, dass sie in einem Sessel versinken und kaum wieder daraus aufstehen können. Hier erfährst du alles Wissenswerte über die Muskelspannung in deinem Körper. Zusätzlich informieren wir dich über die Ursachen etwaiger Störungen und über Möglichkeiten, diese zu beheben.

Kann ein Arzt die Muskelspannung messen?

Vielleicht geht es dir wie den meisten von uns: Je mehr wir über ein bestimmtes medizinisches Thema lesen, desto misstrauischer werden wir unserem eigenen Körper gegenüber. Natürlich würde jeder gern wissen, ob sein Muskeltonus im normalen Rahmen liegt. Mit unseren heutigen technischen Möglichkeiten ist die Messung des Spannungszustands eines Muskels auch kein Problem.

Die Schwierigkeit liegt vielmehr darin, dass nicht die gesamte Muskulatur zu jeder Zeit denselben Ruhetonus hat. Wenn unsere Schultern vom stundenlangen Sitzen vor dem Bildschirm verkrampft sind, weisen sie beispielsweise eine viel höhere Muskelspannung auf als unsere Füsse. Von daher kann ein Arzt keinen „generellen Muskeltonus“ auf einer Skala messen.

Welche Funktionen hat der Muskeltonus?

Im Wachzustand sind immer irgendwelche Muskeln angespannt, auch wenn wir uns nicht bewegen. Selbst wenn es nur wenige Muskelfasern sind: Solange wir wach sind, ist immer ein gewisser Muskeltonus vorhanden. Sogar um einfach nur unseren Kopf aufrecht zu halten ist Muskelspannung notwendig.

Auch wenn wir einfach nur herumstehen oder auf einem Stuhl sitzen, müssen wir bestimmte Muskelpartien anspannen. Dieser passive Muskeltonus wird als Grundspannung oder Ruhetonus bezeichnet. Er ist die Voraussetzung für

  • Mimik,
  • Gestik und
  • Bewegung.

Bei all unseren Aktionen bewegen wir viel mehr Muskeln, als wir glauben: Am Lachen sind beispielsweise bis zu 300 verschiedene Muskeln beteiligt.

Gibt es unterschiedliche Muskelfasern?

In unserem Organismus gibt es glatte und quergestreifte Muskulatur. Sämtliches Muskelgewebe, das wir mit unserem Willen steuern können, besteht aus quergestreiften Muskeln. Je mehr wir die quergestreiften Muskelgruppen trainieren, desto stärker wird ihre Kraft. Der Prozentsatz der Muskelmasse und unser Energieumsatz steigen dadurch an. Die Funktionen des glatten Muskelgewebes (wie beispielsweise der Blutgefässe) können wir hingegen nicht beeinflussen. Sie werden von Stimulationen durch Hormone und verschiedene Nerven gesteuert – können aber medikamentös durch Muskelrelaxantien beeinflusst werden.

Was ist eine Störung des Muskeltonus?

Wenn der Verdacht auf eine Störung des Muskeltonus (muskuläre Dystonie) besteht, wird ein Arzt die Muskelspannung untersuchen. Dazu überprüft er am liegenden Patienten die Bewegungen einzelner Gelenke. Dabei bewegt der Arzt die Gelenke passiv – ohne dass der Patient die Bewegungen selbst ausführt. Einen zu niedrigen Muskeltonus erkennt er daran, dass die Muskeln schlaff mitschwingen und keinerlei Widerstand gegen die von ihm verursachte Bewegung zeigen. Bei einem zu hohen Muskeltonus – wie beispielsweise bei einer Spastik – verstärken sich die Symptome durch die Eigenspannung der Muskeln, je schneller das Gelenk bewegt wird. Eine zu niedrige Muskelspannung wird als Hypotonie bezeichnet, eine zu hohe dagegen als Hypertonie.

Was sind die Folgen einer Hypertonie der Muskulatur?

Ein erhöhter Ruhetonus der Muskulatur hat unangenehme Folgen. Wahrscheinlich weisst du, wie sich ein verspannter Nacken anfühlt. Stell dir vor, dass sich diese Verspannung über deinen gesamten Körper erstreckt. Nicht nur, dass verspannte Muskeln die Beweglichkeit beeinträchtigen – es entsteht dabei häufig auch ein Kontrollverlust über die angespannten Muskelfasern (sensomotorische Amnesie).

Viele Menschen befinden sich heutzutage als Folge unserer modernen Lebensweise in einem permanenten Verspannungszustand. Erscheint beispielsweise der Chef auf der Bildfläche, ziehen sie automatisch die Schultern hoch: eine instinktive Schutzhaltung für den Kopf. Selbst wenn der Chef wieder verschwunden ist, bleiben sie oft in dieser Schutzhaltung ohne sich dessen bewusst zu sein: sensomotorische Amnesie, wie sie im Lehrbuch steht.

Was genau ist muskuläre Hypotonie?

Obwohl die meisten Menschen heute eher unter Hypertonie leiden, gibt es auch Fälle von Hypotonie. Erwachsene Hypotoniker werden oft als antriebsarm bezeichnet. Allerdings haben viele gelernt, mit ihrem Handicap umzugehen und suchen deshalb keinen Arzt auf. Vielleicht sind sie in ihrem Bekanntenkreis als Menschen „mit zwei linken Händen“ oder gar als „Faulpelz“ bekannt. Sie kommen aber zumeist mit ihrem Leben zurecht.

Anders bei Kindern: Bei ihnen wird deutlicher, dass die Funktionen bestimmter Muskelgruppen nicht der üblichen Norm entsprechen. Babys in den ersten Monaten tun sich oft schwer damit, den Kopf zu heben. Später sind sie häufig tollpatschig und stossen öfters als andere gegen Hindernisse. In der Schule werden sie als unaufmerksam und unkooperativ wahrgenommen. Nichts davon ist richtig. Diese Kinder leiden unter einer komplexen Störung im Umgang mit ihrer körpereigenen Schwerkraft, die eine Lähmung ihrer Aktivitäten verursacht.

Was kann ich gegen eine Hypertonie oder Hypotonie von Muskelgruppen tun?

Wenn du bei deinem Kind eine muskuläre Hypotonie vermutest, solltest du seinen Muskeltonus vom Arzt untersuchen lassen. Ausser Ergotherapie und Physiotherapie eignet sich besonders die Sensorische Integrationstherapie, um das zugrunde liegende Wahrnehmungsproblem zu lösen. Gegen stressbedingte Hypertonie helfen Übungen von Feldenkrais oder Bobbard und progressive Muskelentspannung. Yoga und autogenes Training verhelfen dir zu einer besseren Selbstwahrnehmung. Dadurch kannst du deine Verspannungen besser lokalisieren und gezielter gegen sie vorgehen.